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Richtlinien für die praktische Ausbildung der Pfarramtskandidaten

Vom 1. Juli 1992

ABl. Nr. 120/1992, 105/2006

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Artikel I

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I. Allgemeine Bestimmungen

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  1. Diese Richtlinien gelten für Kandidaten, die das Lehrvikariat erfolgreich abgeschlossen haben (§ 7 Abs. 5 OdgA) und die Ausbildung als Pfarramtskandidaten fortsetzen (§ 11 Abs. 1 OdgA).
  2. 1 Die Tätigkeit als Pfarramtskandidat ist Teil der Ausbildung zum geistlichen Amt in der Evangelischen Kirche A. B. oder H. B. in Österreich. 2 Dieser grundlegende Gesichtspunkt ist daher bei allen nach diesen Richtlinien zu treffenden Entscheidungen als vorrangig anzusehen.
  3. 1 Die Zeit als Pfarramtskandidat dient in sinngemäßer Fortsetzung der während des Lehrvikariats angestrebten Ziele der Hinführung zur selbstständigen Arbeit eines geistlichen Amtsträgers. 2 Dabei sollen auch die besonderen Fähigkeiten und Begabungen der einzelnen Kandidaten gefördert werden, und zwar vor allem im Hinblick auf eine spätere Tätigkeit in der Evangelischen Kirche A. B. oder H. B. in Österreich. 3 Der Pfarramtskandidat soll einüben, die biblische Botschaft in Übereinstimmung mit dem Bekenntnis seiner Kirche den Menschen der Gegenwart in verantwortlicher Weise zu bezeugen.
    1. 1 Der Pfarramtskandidat ist einem geistlichen Amtsträger (Mentor) zuzuteilen. 2 Dieser hat den Kandidaten im Rahmen seiner Ausbildung zu begleiten, das persönliche und fachliche Gespräch mit ihm zu pflegen, Anleitungen für den Dienst zu geben und die Ausbildung so zu regeln, dass die Ausbildungsziele (Punkt 3) erreicht werden können.
    2. Während des Besuchs eines Ausbildungskurses bleibt die Zuteilung des Pfarramtskandidaten zu seinem Mentor aufrecht.
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II. Dienstleistung in einer Gemeinde

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5.
  1. 1 In der Regel erfolgt die Dienstleistung des Pfarramtskandidaten in einer Pfarrgemeinde der Evangelischen Kirche A. B. oder der Evangelischen Kirche H. B. in Österreich im Allgemeinen für die Dauer von einem Jahr. 2 Bei der Aufgabenstellung ist auf die für die Vorbereitung auf die Amtsprüfung erforderliche Zeit Rücksicht zu nehmen.
  2. 1 Der Kandidat kann für seine Zuteilung zu einem Mentor Wünsche vorbringen. 2 Die dazu erforderlichen Gespräche sind so rechtzeitig zu führen, dass die Zuteilung zum 1. September in der Regel im Juni des betreffenden Jahres ausgesprochen werden kann. 3 Die Einwilligung des Mentors ist einzuholen.
  3. 1 Vor der Zuteilung des Kandidaten ist das Presbyterium der Pfarrgemeinde des Dienstortes in Kenntnis zu setzen. 2 Dieses kann in begründeten Fällen eine Zuteilung ablehnen.
  4. 1 Der Kandidat ist — in der Regel durch seinen Mentor — der Gemeinde vorzustellen, wobei dieser die Tatsache der zeitlich und sachlich begrenzten Beauftragung mit Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung unter der Verantwortung des Mentors bekannt zu geben ist. 2 Diese Vorstellung und Einweisung in seine Aufgabe erfolgt in einem Gottesdienst.
  5. 1 Im Rahmen der Ausbildung erfolgt auch die Weiterbildung für den Religionsunterricht; diese religionspädagogische Weiterbildung ist im Sinne selbstständiger, durch den Mentor begleitender Klassenführung im Ausmaß von mindestens vier und höchstens acht Wochenstunden, möglichst an verschiedenen Schularten zu gewährleisten. 2 Die Einteilung und die Festlegung des Stundenausmaßes trifft im Einvernehmen mit dem Mentor der zuständige Superintendent.
  6. Zur Vorbereitung auf die Amtsprüfung ist dem Pfarramtskandidaten eine Woche freizugeben, die er auf seinen Wunsch im Predigerseminar verbringen kann.
  7. 1 Dem Kandidaten kann auf seinen Wunsch die Möglichkeit gegeben werden, Kurse, die dem Ausbildungsziel entsprechen, bis zu einem Höchstausmaß von in der Regel sechs Wochen zu besuchen. 2 Über die Möglichkeit, derartige Kurse zu besuchen, entscheidet der zuständige Oberkirchenrat nach Anhören des Mentors und des zuständigen Superintendenten. 3 Derartige Kurse sind etwa: für Jugendarbeit, Seminar für Industriearbeit, Fremdsprachen, Management, Gemeindeaufbau, Seelsorge an Abhängigen, Kirchenmusik, Auseinandersetzung mit Sekten und neuen religiösen Bewegungen, Krankenanstaltenseelsorge, Seminare über Rechtsfragen, Kurspraktika und Einführungen in besondere Formen der Sozialarbeit, wie etwa Obdachlosenbetreuung, Sprechausbildung. 4 Der Kandidat hat nach Ende des Kurses einen kurzen Bericht darüber abzufassen und dem zuständigen Oberkirchenrat vorzulegen.
    5 Über gesondertes Ansuchen kann der Oberkirchenrat zum Besuch dieser Kurse einen Zuschuss gewähren; jedenfalls aber bleibt die Fortzahlung des Gehaltes während der Zeit des Kursbesuches gewahrt.
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III. Dienstleistung in übergemeindlichen Bereichen

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6.
  1. Die Dienstleistung in einem kirchlichen Werk oder einem Arbeitszweig der Evangelischen Kirche in Österreich ist möglich, wenn an der Einsatzstelle ein geistlicher Amtsträger zum Mentor bestellt werden kann.
  2. Stellen, auf die Pfarramtskandidaten zugeteilt werden können, sind kirchliche Dienststellen und Werke, die entsprechende Verkündigungs- und Seelsorgeaufgaben wahrnehmen.
  3. Die Regelung des Punktes 5. e) ist anzuwenden.
  4. Die Bestimmungen der Punkte 5. f) und g) gelten sinngemäß.
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IV. Besondere Bestimmungen

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7.
Der Oberkirchenrat kann für Kandidaten, die ihre Ausbildung im Ausland erhalten haben und nach § 13 Abs. 2 OdgA in einem provisorischen und befristeten Dienstverhältnis zur Evangelischen Kirche A. B. oder zur Evangelischen Kirche H. B. in Österreich stehen, diese Bestimmungen sinngemäß anwenden.
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Artikel II

1 Diese Verordnung tritt mit 1. Juli 1992 in Kraft. 2 Mit demselben Datum tritt die Verordnung des Evangelischen Oberkirchenrates A. u. H. B. Zl. 3454/1989 vom 20. Juni 1989 (ABl. Nr. 86/1989) außer Kraft.